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Deutscher Alpenverein - Sektion Schwaben - Regionalgruppe Sudeten

RG Sudeten
 
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  Entstehung der Regionalgruppe Sudeten

Die Geschichte der Sektion reicht zurück in das 19. Jahrhundert, als ein neues Empfinden der Natur um sich griff und das sich ausbreitende Eisenbahnnetz eine neue Dimension des Reisens erlaubte. Männer, wie der Prager Johann Stüdl, von der unerschlossenen alpinen Bergwelt fasziniert, und der in Vent im hintersten Winkel des Ötztales wirkende Kurat Franz Senn, der ergänzend Entwicklungsmöglichkeiten der armen Bergbevölkerung sah, fanden sich in München zusammen und gründeten 1869 den Deutschen Alpenverein. Wenige Jahre später schloß er sich mit dem österreichischen Alpenverein, der mehr wissenschaftlich orientiert war, zum 'Deutscher und Österreichischer Alpenverein' (DuOeAV) zusammen.
   
Stüdl wurde zu einem der Väter dieses Vereins, bahnbrechend im Hütten- und Wegebau, Initiator des Bergführerwesens. Stüdl regte die Gründung von Sektionen (Zweigvereinen) in den deutschen Städten der österreichischen Kronländer Böhmen, Mähren und Schlesien an. Gleichgesinnte fanden sich zusammen zu Reisen und Bergtouren, zu Erfahrungsaustausch und Vorträgen, zu geselligen Veranstaltungen. Sie sammelten Gelder für den hochalpinen Wege- und Hüttenbau. So entstanden in diesen Ländern 14 Sektionen, die 24 Hütten in den Ostalpen und zwei in Böhmen errichteten oder erwarben.
   
1886 wurde in Teplitz (heute Teplice) die Sektion Teplitz-Nordböhmen und in Troppau (heute Opava) die Sektion Silesia gegründet. Beide entwickelten neben dem Vereinsleben eine rege Bautätigkeit. 1887 entstand in den Stubaier Alpen die Teplitzer Hütte, 1889 ein höher gelegener Neubau und 1898 das Teplitzer Schutzhaus (heute CAI -Club Alpino Italiano- Sterzing), 1888 die Leitmeritzer Hütte in den Lienzer Dolomiten (heute Karlsbader Hütte) und 1889 die Grohmann-Hütte (heute CAI Bozen), 1895 in der Ortlergruppe die Troppauer Hütte, die 1910 durch einen Neubau ersetzt werden mußte, der 1919 erneut durch Lawinen zerstört wurde. 1909 war das Erzherzog-Karl-Franz-Josef-Schutzhaus in 3139 m Höhe in den Stubaier Alpen fertig (heute Müllerhütte, CAI Bozen). 1904 entstand in Aussig (heute Ústí nad Labem) aus einer Ortsgruppe der Sektion Teplitz eine DuOeAV-Sektion, wie auch 1913 in der Hopfenstadt Saaz (heute Žatec).
   
Einen jähen Einbruch verursachte das Ende des Ersten Weltkrieges. Acht Hütten wurden in Südtirol vom italienischen Staat beschlagnahmt. Die drei Kronländer wurden Teile der Tschechoslowakischen Republik, die Verbindung zum DuOeAV wurde verboten. Dennoch ging die Entwicklung weiter. Das Vereinsleben erreichte bald eine neue Blüte. Drei weitere Sektionen entstanden, neun Hütten wurden in den Alpen und eine im Mittelgebirge gebaut oder erworben, darunter, von der Sektion Saaz angeregt, die 1929 fertiggestellte Sudetendeutsche Hütte in der Granatspitzgruppe als Gemeinschaftswerk aller Sektionen dieses Raumes.
   
Einen noch tieferen Einschnitt brachte das Ende des Zweiten Weltkrieges. 3,5 Millionen Sudetendeutsche wurden ihrer Existensgrundlage und ihres Vermögens beraubt und zwangsweise in das Gebiet des heutigen Deutschlands sowie Österreichs gebracht, die Hütten in Österreich als deutsches Eigentum beschlagnahmt.
   
Bald fanden sich die alten Bergfreunde in Westdeutschland wieder zusammen und setzten die Tätigkeit von 12 Sektionen unter schwierigsten Bedingungen fort, die sich teils dem Deutschen, teils dem Österreichischen Alpenverein anschlossen. Dem OeAV gelang es, die sudetendeutschen Hütten aus der Beschlagnahme herauszulösen und den Sektionen frühzeitig zurückzugeben.
   
1978 schlossen sich die vier Sektionen Silesia-Troppau, Teplitz-Schönau, Saaz und Aussig zur Sektion SUDETEN zusammen und übernahmen die Sudetendeutsche Hütte aus dem Gemeinschaftsbesitz.
   

Besonders in Esslingen, Nürnberg und Kassel entwickelte sich ein reges Gemeinschaftsleben mit Touren und Wanderungen, geselligen Zusammenkünften und vieles mehr. Die Mitgliederzahl stieg auf 750. Bergkameraden fanden sich zusammen und bauten die Sudetendeutsche Hütte mit enormen Eigenleistungen, von der Planung bis zur Ausführung, zu einer der gut ausgestatteten Hütten aus, wobei die Fertigstellung eines Anbaues 1999 einen Höhepunkt darstellt.
   
Ein besonderes Ereignis war 1986 das in Esslingen festlich begangene 100jährige Gründungsjubiläum, das mit der Jahrestagung des Südwestdeutschen Sektionenverbandes verbunden wurde. Mit einer Reihe von Veranstaltungen, einer Kunstausstellung berühmter sudetendeutscher Alpinisten, einem Festabend in der Esslinger Stadthalle mit mehr als 400 Teilnehmern und mehreren Führungen und Besichtigungen, stellte sich die Sektion der Öffentlichkeit vor.
   
Ein Schwerpunkt war der Ausbau der Sudetendeutschen Hütte, die bei der Übernahme 1978 im wesentlichen im Zustand der Errichtung von 1929 geblieben war. Eine neue Wasserversorgung, eine Abwasserentsorgung, Elektrifizierung durch eine Photovoltaikanlage, eine Solaranlage für Warmwasser und schließlich ein Zubau, der Aufenthalträume und moderne Sanitäranlagen enthält, war 1999 ein gewisser Abschluss die Restaurierung.

Walther Nimmrichter